Canon EF 200mm 1:2,8 L II USM

EF 200mm f/2.8L II USMEF 200mm f/2.8L II USM

Kamera & Foto

Makellose Bildqualität im Bereich von 200 mm Brennweite – der Markt hat einige interessante Objektive in dieser Liga im Angebot. Darunter fallen auch die populären Zooms mit konstanter f/2.8-Blende für Sport- und Eventfotografen. Aus Canons älterem Line-Up aus den 90ern besetzt das Canon EF 200mm 1:2,8L II USM bis heute preislich eine Lücke und bleibt für Interessenten mit 700 bis 800 € Marktpreis noch verhältnismäßig erschwinglich. Doch kann eine derart alte Konstruktion tatsächlich gegen die modernen Konkurrenten bestehen? Immerhin gehört es laut Hersteller zur hochwertigen L-Serie und verspricht damit beste Abbildungseigenschaften.

Verarbeitung und Design

Das Canon EF 200mm 1:2,8L II USM arbeitet mit der älteren Ultraschallmotortechnik und verfügt als Festbrennweite eine Offenblende von f/2.8. In Kombination mit der hohen Brennweite sind also butterweiche Hintergründe und eine interessante Komposition von Motiven und Umgebung realisierbar. Überraschend: Für eine 200mm-Linse wirkt die alteingesessene Optik noch recht leicht (752 g) und für eine Vollformatkameras nicht übermäßig ausladend in seinen Maßen (83,2 x 136,2 cm). Tatsächlich besitzt diese eine sehr ähnliche Größe wie das Canon EF 100 mm f/2.8L Macro USM IS. Die Konstruktion fühlt sich sehr solide an und liegt satt in der Hand. Grund hierfür ist in erster Linie die hochwertige Fertigungsqualität des Tubus auf Magnesiumbasis. Insgesamt verbauen die Konstrukteure neun Linsen in sieben Gruppen, zwei davon sind UD-Glas-Elemente. An der Rückseite schließt das Design mit einem Metallbajonett ab. Der breite und griffige Fokusring erlaubt jederzeit einen manuellen Eingriff in den AF und läuft widerstandslos und angenehm weich. Mithilfe einer Fokusskala sind so präzise Einstellungen möglich, auch wenn der Einstellweg für eine vollständigen Durchlauf mit 130° noch etwas länger hätte ausfallen können. Bei Verlagerung des Fokus bleibt die Frontlinse an ihrem Platz. Rotation oder gar das Ausfahren bei unterschiedlichen Einstellungen bleiben hier aus. Anwender können daher ohne diese unpraktischen Eigenarten von manch anderem Glas auf dem 72-mm-Gewinde ihren Wunschfilter anbringen. Zusätzlich erlaubt der AF/MF-Schalter den dezidierten Betrieb in rein manuellem Fokus. In direkter Nachbarschaft liegt ein weiterer Umschalter, der die Naheinstellgrenze für den AF auf 1,5 m oder wahlweise 3,5 m festsetzt. Sonnenhut und Staubschutzbeutel sind beim Lieferumfang inklusive.

Einsatzbereich

Lichtstarke Telebrennweiten sind primär für Eventfotografie auch bei durchwachsenen Lichtbedingungen interessant. Ebenso sind gezielte Porträts bei entsprechenden Arrangements möglich und bieten einzigartige Freistellungsmöglichkeiten dank der großen Offenblende. Der schnelle AF-Betrieb erlaubt zudem interessante Schnappschüsse von Hunden und Katzen in Bewegung. Echte Wildlife-Qualitäten bringt es jedoch nicht mit. Für den extremen Telebereich bleiben die 200 mm leider etwas zu kurz und die mangelnde Flexibilität im Vergleich zu Zooms macht es zudem schwierig, scheue Tiere in eine adäquate Komposition unterzubringen. Makrofotografen fehlt es hingegen aufgrund der hohen Naheinstellgrenze an entsprechender Close-Up-Tauglichkeit. Für Detailaufnahmen von kleineren Elementen in der Natur ist dieses Objektiv daher eher ungeeignet.

EF-200mm-f-2.8L-II-USM-Hund-Action-1

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Autofokus

Der Autofokus basiert auf der USM-Technologie (Ultraschall) und ist somit quasi lautlos. Ein leichtes Schleifen der Mechanik bleibt beim Durchlaufen der Naheinstellgrenze bis hin zum Ende der Skala zu hören. Diese Strecke wird innerhalb einer Sekunde zurückgelegt. Aktivieren Anwender die größere Naheinstellgrenze von 3,5 m, reduziert sich diese Zeit auf weniger als eine halbe Sekunde – ein sehr guter Wert. Der rasante AF verfügt über genug Geschwindigkeit, um auch schnell beweglichen Motiven zu folgen und scharfe Momentaufnahmen zu gewährleisten. Natürlich gehört zu einer praktikablen Geschwindigkeit für Sportaufnahmen auch die notwendige Präzision. In dieser Kategorie überzeugt der AF durch eine erstklassige Performance. Ausschüsse sind selten, in beruhigter Arbeitsumgebung sitzt der immer punktgenau. Ein Front- oder Backfokus ist nicht feststellbar.

Bildqualität und Bokeh

Insgesamt liefert das Canon EF 200mm 1:2,8 L II USM eine exzellente Leistung ab, wie es von der L-Serie zu erwarten ist. Zwar kann die Optik in Sachen Schärfe nicht mit den extrem kostspieligen Optiken im vierstelligen Eurobereich gleichziehen, durchschnittlich fallen die Resultate jedoch keineswegs aus. Auf Vollformat und APS-C-Kameras von Canon ist bereits auf f/2.8 im Zentrum eine hohe Schärfe zu erkennen. Am Rand zeichnet sich ein leichter Auflösungsverlust ab, die Werte liegen jedoch immer noch in einem akzeptablen Bereich. Tatsächlich überflügelt hier das populäre Canon EF 70-200 mm 1:2,8 L IS II USM diese Ergebnisse minimal. Eine Stufe abgeblendet nähern sich beide Objektive in ihrer Schärfe aber einem nahezu identischen Niveau an und stellen Inhalte klar vom Zentrum bis in die Ecken dar. Offenblendtauglich bleibt die Festbrennweite damit in allen Situationen. Außerdem erzeugt sie eine sehr prominente, gefällige Weichzeichnung des Hintergrundes. Extreme Kontraste können das Bokeh teils etwas unruhig wirken lassen. Dies fällt aber meist erst nach intensivem Einzoomen auf und stellt im praktischen Betrieb kein ernsthaftes Problem dar. Ein wirklich großes Lob verdient sich das Objektiv wegen seiner hohen Komaresistenz. Lichtquellen bilden somit selbst am extremen Bildrand keine störenden Schweife aus. Während der Lichtkreise auf der Offenblende noch einer leichte Kompression zum Rand hin unterliegen, verändern diese bereits ab f/4.0 ihre kreisrunde Form nicht mehr und bleiben konstant über den gesamten Bildbereich. APS-C-Nutzer haben erfreulicherweise selbst auf f/2.8 keinerlei Abweichungen in dieser Beziehung. Zwiebelringe bleiben dem Bokeh ebenso fern – ein wirklich gutes Ergebnis also. Verzeichnungen sind zwar messtechnisch feststellbar, aber besitzen im Bereich von ungefähr 1 % keinerlei Relevanz im fotografischen Alltag.

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Vignettierung und Gegenlicht

Abschattungen zu den Rändern können bei Porträtaufnahmen ein willkommenes Extra darstellen und lenken den Blick des Betrachters auf das Bildzentrum. Allerdings ist dieser Effekt nicht immer erwünscht. Direkt aus der Kamera zeigen Bilder des Canon EF 200mm 1:2,8 L II USM keinerlei Schwächen. Auf Vollformatsystemen beträgt der Wert auf Offenblende etwa eine komplette Belichtungsstufe und fällt zügig beim Ablenden ab. APS-C-Anwender haben selbst auf f/2.8 keine nennenswerten Abdunkelungen am Rand. Ein leichter Hauch schwarz bleibt bei monotonen, hellen Hintergründen zu sehen. Ab f/4.0 verabschiedet sich dieser minimale Helligkeitsverlust komplett. Insgesamt kann sich das Ergebnis gut sehen lassen. Direktes Gegenlicht sorgt allerdings für einen massiven Einschnitt in der Abbildungsleistung. Bilder wirken schnell überstrahlt und flau. Hinzu kommen beträchtliche, teils kreisrunde Flare-Bögen, die in der Regel mehr ein schwer zu kontrollierendes Ärgerniss als eine künstlerische Bereicherung darstellen.

Chromatische Aberration

Chromatische Aberration fällt bei lichtstarken Offenblenden meist in kontrastreichen Szenarien auf und kann durchaus störende Ausmaße erreichen. Auch das Canon EF 200mm 1:2,8 L II USM bleibt von dieser optischen Eigenart nicht gänzlich verschont. Während auf f/2.8 leichte Farblängsfehler in Form von grünen und lila Rändern bei hohen Kontrasten auftreten, treten diese bereits bei f/4.0 bereits deutlich in den Hintergrund. Schwere Fälle von CA lassen sich selbst mit Bildbearbeitung manchmal nicht befriedigend retuschieren – diese Festbrennweite gehört zum Glück in diese Kategorie und erfreut mit guten und leicht korrigierbaren Ergebnissen. Ein sehr ähnliches Bild offenbart sich bei Querfehlern, die meist mit rötlich bis türkisen Farbstich auffallen. Theoretisch sind diese unter strengster Beobachtung auf Nahansicht feststellbar, stellen aber kaum ein Ausschlusskriterium für kritische Aufnahmen bei hohen Kontrasten dar.

Fazit

Angesichts der hauseigenen Konkurrenz mit sogar leicht überlegenen Abbildungseingenschaften ist das ehemalige Premium-Modell relativ günstig zu haben. Wer Top-Abbildungsleistung wünscht und zugleich die notwendige Zoomfaktor für mehr Flexibilität benötigt, muss auf das mehr als doppelt so teure Canon-Zoom mit konstanter f/2.8-Blende der L-Serie sparen. Dieses besitzt sogar einen Stabilisator und schöpft daher die Low-Light-Eignung noch besser aus. Sparfüchsen greifen zu den günstigeren Konkurrenten von Sigma und Tamron. Diese befinden sich der gleichen Preisklasse des Canon EF 200mm 1:2,8 L II USM und stechen dieses im Anwendungsbereich dank des Zooms klar aus. Dennoch bleibt die Festbrennweite eine sehr angenehm zu bedienende, hochwertige und vor allem nicht zu schwere Alternative, die eine sehr hochwertige Bildqualität abzuliefern weis. Dank der guten AF-Performance bleiben auch rasante Szenen stets gut unter Kontrolle.

Vorteile:

Lichtstärke f/2.8 und schönes Bokeh
hohe Detailtreue und äußerst zuverlässiger AF
sehr gute Verarbeitung und nicht zu schwer
nutzbar an Canon APS-C und Vollformat

Nachteile:

– fehlender Stabilisator schränkt Low-Light-Einsatz etwas ein
– anfällig für Flares und Kontrastabfall bei Gegenlicht

120,00 EUR
Canon EF 200mm 1:2,8 L II USM Objektiv (72 mm Filtergewinde)
27 Bewertungen
Canon EF 200mm 1:2,8 L II USM Objektiv (72 mm Filtergewinde)
  • Konstruktion und Optik der L Serie
  • Zwei UD Linsen; Kreisrunde Blendenöffnung für ein exzellentes Bokeh
  • Schneller, praktisch geräuschloser USM-Autofokus; Tasche und Streulichtblende
  • Super Spectra Vergütung; Weiterleitung von Entfernungsinformationen an die E-TTL II Blitzsteuerung der Kamera
  • Lieferumfang: Canon EF 200mm 1:2,8 L II USM Objektiv

Letzte Aktualisierung am 19.10.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API